Effizientes Regenwassermanagement auf Sportplätzen

Technische Filter im Fokus

In der Gemeinde Glarus hat die Sportanlage Wiggis im Rahmen einer umfassenden Renovierung eine Neugestaltung erfahren. Das ehrgeizige Projekt wurde von der Gemeinde Glarus als Bauherr realisiert und umfasste die Integration verschiedener Sportarten auf einer Multisportanlage mit Allwetterplatz. Eine besondere Herausforderung stellte die Entwässerungsplanung dar, insbesondere aufgrund der Schwierigkeiten bei Kunststoffbelägen, die das Wasser mit Spurenstoffen verschmutzen.Mathias Held, Landschaftsarchitekt FH bei Jenzer&Partner, war massgeblich an der Planung beteiligt.


Wir freuen uns, ihn für ein ausführliches Gespräch in Glarus begrüssen zu können. Im Interview mit Marco Dürst, Leiter Marketing und Technik von der ACO, beantwortet Herr Held Fragen zum ehrgeizigen Projekt. Schauen Sie sich das Interview jetzt an.

Das Interview mit Herr Held von Jenzer&Partner

Im Rahmen einer Gesamterneuerung wurde die Sportanlage Wiggis unter Berücksichtigung verschiedener wesentlicher Faktoren neugestaltet. Die Gemeinde Glarus trat als Bauherr dieses ehrgeizigen Projektes auf. Die Planung erfolgte durch Mathias Held in Zusammenarbeit von Jenzer+PartnerAG (vormals Frutiger AG). Der Auftrag fällt genau in das Fachgebiet von Mathias Held. «Sport hat mich schon immer fasziniert», sagt Held, zumal er früher selbst viel Sport getrieben hat. Seine berufliche Laufbahn als Landschaftsarchitekt hat er vor allem der Planung und Realisierung von Sportanlagen gewidmet.

Das anspruchsvolle Projekt wurde in Zusammenarbeit mit verschiedenen Firmen realisiert. Für den Tiefbau war die Walter Hösli Strassenbau AG und für die Kunststoffbeläge die Walo Bertschinger AG zuständig.  Vor dem Hintergrund der Mehrfachnutzung der Sportanlage durch die Bevölkerung und die Schule Netstal wurde ein breites Angebot an verschiedenen Sportarten integriert.

Bei der Anlage Wiggis kamen mehrere Anforderungen zusammen. Es musste eine Multisportanlage mit Allwetterplatz erstellt werden, die viele Aspekte wie Weitsprung, Speerwerfen, Kugelstossen mit einer Laufbahn vereint. Ein Kunstrasenspielfeld sowie ein Fitness- und Trainingsbereich wurden ebenfalls realisiert. Es war eine besondere Herausforderung, all diese verschiedenen Sportarten unter einen Hut zu bringen. Noch anspruchsvoller war die Planung der Entwässerung.

Der Sportplatz Wiggis in der Gemeinde Glarus

Bei Kunststoffbelägen, wie sie häufig auf Sportanlagen zu finden sind, gibt es den so genannten First Flush. In den ersten zwei Jahren ist das Wasser mit Schmutzpartikeln und vor allem Spurenstoffen belastet und muss sorgfältig gereinigt werden, um eine Verunreinigung des Grundwassers zu vermeiden. Bei Sportanlagen werden dazu oft zwei verschiedene Methoden angewendet: Entweder wird das Wasser in die Kanalisation geleitet oder es wird über eine Oberbodenpassage gereinigt und anschliessend versickert. Für die Sportanlage Wiggis war die kantonale Behörde für diese Entscheidungen zuständig. Zuerst entschied man sich für die Reinigung des Wassers über eine Oberbodenpassage, was sich aber bald als nicht realisierbar erwies, da für diese flächenintensive Lösung schlicht der Platz fehlte. Da auch der Anschluss an die Kanalisation zu weit entfernt war, blieb nur die Installation eines technischen Filters.

Hier kam ACO ins Spiel. ACO ist Teil einer Arbeitsgruppe am UMTEC (Institut für Umwelt- und Verfahrenstechnik) und hat den technischen Filter (ACO Stormclean) vom VSA (Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute) prüfen lassen. Aus dem Bericht geht hervor, dass der ACO Stormclean eine erhöhte Filtrationsleistung für Partikel (GUS) und Schwermetalle sowie eine Standardfiltrationsleistung für Mikroverunreinigungen wie zum Beispiel Pestizide aufweist.

Bei der Entwässerung von Kunststoffflächen sind vor allem zwei Schadstoffgruppen problematisch: DOC (gelöster organischer Kohlenstoff) und PAK (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe). Der technische Filter wurde daher auf diese beiden Schadstoffe ausgerichtet.

Bei der Planung des Projekts wurde den ACO-Experten schnell klar, dass ein technischer Filter allein nicht ausreichen würde. Die Thematik Starkregen und damit eine mögliche hydraulische Überlastung des technischen Filters musste berücksichtigt werden. Dem Filter wurde darum ein Drosselschacht vorgeschaltet. «Da der Filter nicht genügend Kapazität hat, um das gesamte anfallende Oberflächenwasser auf einmal zu bewältigen, wurde ein Drosselschacht eingebaut, der das Wasser zunächst zurückhält.» Das Wasser wird dann kontinuierlich in den Filter geleitet, wo es gereinigt wird.

Um die Sicherheit und Effizienz des Filters zu gewährleisten, führt eine Arbeitsgruppe des UMTEC eine Überprüfung des Filters durch. Bisher wurden zwei Proben entnommen und analysiert.

«Die Ergebnisse sind sehr zufriedenstellend», sagt Mathias Held. «Es konnten rund 50 Prozent der DOC und über 90 Prozent der PAK herausgefiltert werden.»

Der Einbau des technischen Filters

Eine erste Stichprobe, die vom UMTEC ausgewertet wurde, ergab folgende Ergebnisse:

Schadstoffe Einheit Zulauf Filterschacht Ablauf Filterschacht Elimination über Filter in %
2(3H)-Benzothiazolon µg/l 20.4 0.6 97
2-Mercaptobenzothiazol µg/l 16.4 1.4 91
2-Methylthiobenzothiazol µg/l 1.4 0.1 93
2-Methylthiobenzothiazol µg/l 117 7.4 94
         

 

Haben solche Systeme eine Zukunft? Ja, meint Mathias Held. «In der Schweiz wird immer dichter gebaut. Wir haben immer weniger Platz, müssen aber höhere Anforderungen erfüllen. Versickerungsanlagen an der Oberfläche sind zwar gut, aber sie brauchen auch viel Platz, und am Schluss muss auch das belastete Material aus diesen Anlagen entsorgt werden. «Ich denke, ein technischer Filter ist die ideale Lösung für die Zukunft. Er braucht nicht viel Platz, man kann ihn austauschen, wenn er nicht mehr richtig funktioniert, und er kann entfernt werden, wenn er nicht mehr gebraucht wird». Vor allem bei Sportanlagen ist der First Flush entscheidend. Man geht davon aus, dass die ersten zwei Jahre eines neuen Kunststoffbodens zu einer hohen DOC- und PAK-Belastung des Grundwassers führen. Nach zwei Jahren sind die Schadstoffe ausgewaschen. «Und nur für zwei Jahre eine grossflächige Oberbodenpassage zu schaffen, halte ich für unverhältnismässig. Technische Filter sind die Zukunft.»

Mathias Held - Landschaftsarchitekt FH

Der ACO Stormclean

ACO Stormclean bildet die Grundlage für eine fachgerechte und zukunftsorientierte Regenwasserbehandlung. Niederschlagswasser von stark belasteten Verkehrs-, Hof- und Wegeflächen muss vor der Versickerung oder Einleitung in Gewässer von Schmutz- und Schadstoffen gereinigt werden. Neben Grob- und Schwimmstoffen (GUS) sind Schwermetalle und Spurenstoffe wie zum Beispiel Pestizide wesentliche Schadstoffe. ACO Stormclean reinigt diese belasteten Oberflächenabflüsse zuverlässig in einem kompakten Behälter aus Polymerbeton und erfüllt dabei höchste Standards nach den Zulassungsgrundsätzen für Regenwasserbehandlungsanlagen des VSA oder des DIBt.

Der ACO Stormclean kombiniert eine definierte Sedimentationszone mit einer zweistufigen Substratfilterstufe. Er ist durch ein Zentralrohr leicht zu kontrollieren und zu reinigen. Der Höhenunterschied zwischen Zu- und Ablauf beträgt nur 25 cm.

Das Filtermaterial ist leicht zugänglich und muss je nach Schmutzeintrag alle drei bis vier Jahre ausgetauscht werden. Da die Anlage unter der Verkehrsfläche eingebaut wird, benötigt sie keinen zusätzlichen Platz auf dem Grundstück. Die Kombination aus Feststoffabscheider und Substratfilter wirkt sowohl gegen Partikel als auch gegen gelöste Wasserinhaltsstoffe. Die Behandlungsanlage eignet sich für Verkehrsflächen wie Parkplätze und Strassen aller Verkehrsbelastungen sowie für Industrieflächen und Metalldächer. Selbst stark verschmutzte Niederschlagsabflüsse können so gereinigt und direkt in ein Oberflächengewässer oder in das Grundwasser eingeleitet werden.

Der technische Filter - ACO Stormclean

1 - Das Niederschlagswasser wird durch das Zentralrohr nach unten geleitet. Hierbei können bereits erste Leichtflüssigkeiten zurückgehalten werden.

2 - Durch die zum Patent angemeldete Strömungsebene mit definierten Auslassöffnungen findet hier eine Beruhigung statt, so dass sich Sedimente auf dem Weg zum Aussenbereich des Filters absetzen können. Eine obere Prallplatte sorgt hierbei für eine ausreichende Verweilzeit und eine gleichmässige Durchströmung des Filtersubstrats.

3 - Durch einen, leicht von oben zu öffnenden Zugang, können die Sedimente im Zuge einer Wartung/ Reinigung abgesaugt werden. Die Schlammfänge dieser Serie sind gemäss SN  592 000 ausreichend dimensioniert, so dass die üblichen Wartungsintervall zu erwarten sind.

4 - Das Kernstück der Filtersysteme bildet eine 50 cm starke Substratschicht, die in der Mitte des Filterschachtes eingespannt ist. Die Trennschicht wurde hierbei so gewählt, dass diese filterstabil zur Körnung des Subst-rats, aber dennoch ausreichend durchlässig gegen eine schnelle Verblockung ist. In der Substratschicht werden im Aufstromverfahren die Feinstoffe gefiltert und ein Grossteil der gelösten Schadstoffe wird ausge-fällt und adsorptiv gebunden.

5 - Die Filterschicht ist rückspülbar und kann nach Erreichen der zulässigen Standzeit oder im Falle einer völligen Verblockung, problemlos abgesaugt und durch neues Substrat ersetzt werden. Hier können unsere Kunden auf den ACO Service zurückgreifen.

6 - Über den Filterelementen befindet sich das saubere Wasser und fliesst anschliessend über den Ablauf in die Versickerung oder ein Oberflächengewässer.